Brille kaufen: Darauf sollten Sie achten

Eine neue Brille kann überraschend günstig sein oder deutlich mehr kosten als erwartet. Der Preis hängt nicht nur von der Fassung ab, sondern vor allem von den gewählten Brillengläsern und deren Ausstattung. Wer verschiedene Angebote vergleicht, sollte deshalb nicht nur auf den beworbenen Einstiegspreis achten, sondern das Gesamtpaket genau prüfen.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Faktoren den Preis beeinflussen und worauf Sie beim Brillenkauf in der Schweiz besonders achten sollten. Sollten Sie sich für Kontaktlinsen interessieren, können Sie hier mehr darüber erfahren.

Nicht nur den Preis vergleichen

Viele Optiker werben mit attraktiven Einstiegspreisen. Diese beziehen sich häufig auf eine einfache Komplettbrille mit Standardfassung und Basisgläsern. Ob dieses Angebot den eigenen Bedürfnissen entspricht, zeigt sich jedoch erst beim genaueren Blick auf den Leistungsumfang.

Vor dem Kauf sollten Sie deshalb prüfen:

  • Ist die Fassung im Preis enthalten?
  • Sind die Korrekturgläser inklusive?
  • Handelt es sich um Einstärken- oder Gleitsichtgläser?
  • Welche Glasqualität ist im Preis enthalten?
  • Sind Montage und Anpassung eingeschlossen?
  • Sind Zusatzleistungen wie eine Brillenversicherung oder Servicepakete bereits enthalten oder kostenpflichtig?

Erst wenn alle Bestandteile berücksichtigt werden, lassen sich Angebote sinnvoll vergleichen.

Einstärken- oder Gleitsichtbrille?

Die Wahl der richtigen Brillengläser gehört zu den wichtigsten Entscheidungen beim Brillenkauf. Sie beeinflusst nicht nur den Sehkomfort im Alltag, sondern auch den Preis der Brille. Welche Gläser geeignet sind, hängt von der Art der Sehschwäche sowie den persönlichen Sehgewohnheiten ab.

Einstärkengläser verfügen über eine einheitliche Sehstärke über die gesamte Glasfläche. Sie korrigieren eine Sehschwäche für eine bestimmte Distanz – beispielsweise für die Ferne beim Autofahren oder Fernsehen oder für die Nähe beim Lesen und Arbeiten am Computer. Da sie einfacher aufgebaut sind als Gleitsichtgläser, sind sie in der Regel die günstigste Variante. Wer nur eine Sehkorrektur für einen bestimmten Bereich benötigt, fährt mit Einstärkengläsern häufig gut.

Gleitsichtgläser kombinieren mehrere Sehstärken in einem Glas. Sie ermöglichen scharfes Sehen in der Nähe, im Zwischenbereich und in der Ferne, ohne dass die Brille gewechselt werden muss. Der Übergang zwischen den verschiedenen Sehbereichen verläuft fliessend und ist von aussen nicht sichtbar. Besonders Menschen mit Alterssichtigkeit schätzen diesen Komfort, da sie mit einer einzigen Brille verschiedene Alltagssituationen abdecken können.

Allerdings sind Gleitsichtgläser technisch deutlich aufwendiger herzustellen und individuell auf die Trägerin oder den Träger anzupassen. Deshalb sind sie in der Regel deutlich teurer als Einstärkengläser. Zudem gibt es unterschiedliche Qualitätsstufen. Hochwertigere Gleitsichtgläser bieten oft grössere Sehbereiche, angenehmere Übergänge zwischen den einzelnen Distanzen und weniger Verzerrungen am Glasrand. Das erhöht den Sehkomfort, wirkt sich jedoch auch auf den Preis aus.

Und nicht jeder Nutzer kommt mit Gleitsichtbrillen gut aus. Manchmal ist es eine Gewöhnungssache, manchmal wird die Gleitsichtbrille aber auch dauerhaft als unbequem empfunden. Man muss den Kopf beim Lesen nach hinten lehnen, um durch den Bereich der Lesebrillenstärke im unteren Teil der Gleitsichtbrille sehen zu können. Das kann auf Dauer den Nacken belasten. Dann sind meist zwei Brillen die bessere Lösung.

Wer sich zwischen Einstärken- und Gleitsichtgläsern entscheiden muss, sollte deshalb nicht nur die Kosten berücksichtigen. Ebenso wichtig sind die persönlichen Sehbedürfnisse, der Alltag sowie eine fachkundige Beratung, um die passende Lösung zu finden.

Die Brillengläser bestimmen den Endpreis

Bei einer Brille entfällt ein grosser Teil der Gesamtkosten auf die Brillengläser. Während einfache Standardgläser oft bereits im Grundpreis enthalten sind, können zusätzliche Ausstattungen den Endpreis deutlich erhöhen. Welche Upgrades sinnvoll sind, hängt von der individuellen Sehstärke, den persönlichen Bedürfnissen und dem Alltag ab.

Zu den häufigsten Zusatzoptionen gehören:

  • Entspiegelung: Reduziert störende Lichtreflexe auf den Gläsern und sorgt für eine angenehmere Sicht, insbesondere beim Autofahren in der Nacht oder bei der Arbeit am Bildschirm.
  • Kratzschutz: Eine spezielle Beschichtung macht die Glasoberfläche widerstandsfähiger gegenüber Kratzern und kann die Lebensdauer der Brille verlängern.
  • Schmutz- und wasserabweisende Beschichtungen: Solche Veredelungen sorgen dafür, dass Fingerabdrücke, Staub und Wassertropfen weniger stark haften. Die Gläser lassen sich dadurch einfacher reinigen und bleiben länger klar.
  • Blaulichtfilter: Diese Beschichtung soll die Belastung der Augen bei längerer Bildschirmarbeit reduzieren. Ob ein Blaulichtfilter sinnvoll ist, hängt von den persönlichen Sehgewohnheiten und den individuellen Bedürfnissen ab.
  • Dünnere oder leichtere Gläser: Besonders bei höheren Sehstärken können dünnere Gläser das Gewicht der Brille reduzieren und für ein ästhetisch ansprechenderes Erscheinungsbild sorgen, da die Gläser weniger dick wirken.
  • Individuell angepasste Gleitsichtgläser: Hochwertige Gleitsichtgläser werden auf Faktoren wie Sehstärke, Fassungsform, Pupillendistanz und Tragegewohnheiten abgestimmt. Dadurch können sie einen grösseren Sehbereich und einen höheren Sehkomfort bieten als einfachere Standardausführungen.

Je nach gewählter Ausstattung kann sich der Preis einer Brille um mehrere hundert Franken erhöhen. Deshalb lohnt es sich, bereits beim Beratungsgespräch nachzufragen, welche Eigenschaften im Grundpreis enthalten sind und welche Veredelungen zusätzlich verrechnet werden.

Welche Glasqualität ist sinnvoll?

Brillengläser werden in unterschiedlichen Qualitäts- und Ausstattungsstufen angeboten. Welche Variante die richtige ist, hängt von der Sehstärke, den persönlichen Sehgewohnheiten und den Anforderungen im Alltag ab. Die teuerste Lösung ist nicht automatisch die beste – entscheidend ist, dass die Gläser zu den individuellen Bedürfnissen passen.

Wer die Brille nur gelegentlich trägt, beispielsweise ausschliesslich zum Lesen oder Autofahren, kommt häufig bereits mit einer einfachen Standardausführung gut zurecht. Solche Gläser erfüllen ihren Zweck zuverlässig und sind in der Regel die günstigste Wahl.

Wer die Brille hingegen den ganzen Tag trägt oder auf eine optimale Sehqualität angewiesen ist, profitiert oft von höherwertigen Gläsern. Diese können einen besseren Sehkomfort bieten und das Sehen in verschiedenen Alltagssituationen erleichtern. Je nach Ausführung zeichnen sie sich unter anderem durch grössere Sehbereiche, eine präzisere Abbildungsqualität oder dünnere und leichtere Gläser aus.

Besonders bei Gleitsichtgläsern unterscheiden sich die Qualitätsstufen deutlich. Hochwertigere Gläser verfügen häufig über breitere Sehbereiche für Nähe, Zwischenbereich und Ferne sowie über fliessendere Übergänge zwischen den einzelnen Sehzonen. Dadurch müssen die Augen weniger stark nach dem optimalen Blickpunkt suchen, was das Sehen angenehmer machen kann. Gleichzeitig sind Randverzerrungen oft geringer als bei einfacheren Ausführungen.

Auch bei höheren Sehstärken lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Glasqualitäten. Dünnere Gläser sind nicht nur leichter und angenehmer zu tragen, sondern wirken in vielen Fassungen auch ästhetischer, da sie weniger dick erscheinen.

Eigenmarken oder Designerfassungen?

Eigenmarken werden speziell für den jeweiligen Optiker entwickelt und bieten häufig ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie decken in der Regel eine breite Auswahl an Formen, Farben und Materialien ab und eignen sich besonders für preisbewusste Käuferinnen und Käufer. Da keine Lizenzkosten für bekannte Modemarken anfallen, sind Eigenmarken oft deutlich günstiger als Designerfassungen.

Designerfassungen stammen von bekannten Mode- oder Brillenmarken und zeichnen sich häufig durch ein markentypisches Design, exklusive Materialien oder besondere Verarbeitung aus. Wer grossen Wert auf eine bestimmte Marke oder ein spezielles Design legt, findet hier eine grosse Auswahl. Dafür muss jedoch meist ein höherer Preis eingeplant werden.

Lassen Sie sich ein vollständiges Angebot erstellen

Bevor Sie sich für eine Brille entscheiden, lohnt es sich, ein vollständiges und transparentes Angebot einzuholen. Ein günstiger Einstiegspreis sagt oft nur wenig über die tatsächlichen Gesamtkosten aus. Erst wenn alle Bestandteile der Brille sowie mögliche Zusatzleistungen aufgeführt sind, lässt sich beurteilen, wie viel Sie am Ende tatsächlich bezahlen.

Ein vollständiges Angebot sollte mindestens folgende Punkte enthalten:

  • Preis der Fassung
  • Preis der Brillengläser
  • Art der Gläser (Einstärken- oder Gleitsichtgläser)
  • Glasqualität und gewählte Ausführung
  • allfällige Veredelungen wie Entspiegelung oder Kratzschutz
  • Kosten für Montage und individuelle Anpassung
  • Garantie-, Reparatur- oder Versicherungsleistungen
  • mögliche Zusatzkosten oder optionale Upgrades

Lassen Sie sich ausserdem erklären, welche Leistungen bereits im Grundpreis enthalten sind und welche nur gegen Aufpreis erhältlich sind. So vermeiden Sie unangenehme Überraschungen und können verschiedene Angebote auf einer vergleichbaren Grundlage beurteilen. Gerade wenn Sie mehrere Offerten einholen, lohnt es sich, nicht nur den Endpreis, sondern auch den Leistungsumfang genau gegenüberzustellen. Eine etwas teurere Brille kann sich langfristig als die bessere Wahl erweisen, wenn sie hochwertigere Gläser, umfangreichere Serviceleistungen oder eine längere Garantie umfasst.

Wichtig ist die Abgrenzung zur medizinischen Augenuntersuchung. Ein Optiker kann die Sehstärke bestimmen. Organische Ursachen oder Augenerkrankungen werden jedoch nicht im gleichen Sinn diagnostiziert wie bei einer Augenärztin oder einem Augenarzt. Ein sachlicher Umgang mit der Weiterleitung an medizinische Fachpersonen ist wichtig, wenn Auffälligkeiten festgestellt werden.

Welche Optiker bieten den Sehtest kostenlos an?

In der Schweiz gibt es mehrere grosse Ketten, bei denen der Standard-Sehtest kostenlos sein kann. Die Bedingungen unterscheiden sich jedoch.

  • Fielmann bietet den Standard-Sehtest kostenlos an. Der wichtige Zusatz: Er ist laut Service Center „immer kostenlos“, auch ohne Brillenkauf. Für Kundinnen und Kunden ist das besonders transparent, weil die kostenlose Leistung nicht an einen anschliessenden Kauf gebunden ist. 
  • Misenso bietet den Standard-Sehtest ebenfalls kostenlos an. Laut Website dauert dieser Sehtest 45 Minuten. Eine Kaufbedingung wird dabei nicht genannt. Separat aufgeführt sind aber andere Leistungen, etwa der Kontaktlinsen-Sehtest für CHF 75 und der Führerausweis-Sehtest für CHF 11.
  • VIU Eyewear bietet den Sehtest ebenfalls kostenlos an, allerdings nur beim Kauf einer Brille. Die öffentliche Seite nennt einen Gratis-Sehtest beim Brillenkauf. Ein separater Standardpreis ohne Brillenkauf ist nicht öffentlich transparent ausgewiesen.
  • Optic 2000 bietet den Sehtest ebenfalls nur beim Kauf einer Brille kostenlos an. Die öffentliche Seite nennt einen Gratis-Sehtest beim Brillenkauf. Ein separater Standardpreis ohne Brillenkauf ist nicht öffentlich transparent ausgewiesen.
  • Visilab verlangt CHF 50 für den Standard-Sehtest. Die Dauer wird mit 30 Minuten angegeben. Der Führerausweis-Sehtest ist separat aufgeführt und kostet CHF 20.
  • McOptic verlangt CHF 39 für den Standard-Sehtest. Auch hier wird eine Dauer von 30 Minuten genannt. Eine Beratung ohne Sehtest ist gratis. Der Führerausweis-Sehtest kostet bei McOptic CHF 19.
  • KochOptik liegt bei den geprüften Anbietern am höchsten. Der Standard-Sehtest kostet CHF 98 und dauert 30 Minuten. Zusätzlich gibt es als Service auch nur einen Augenscan ohne Sehtest für CHF 43. Der Führerausweis-Sehtest kostet CHF 20.

Diese Unterschiede zeigen: Der Preisrahmen für einen Standard-Sehtest reicht bei den geprüften Ketten von CHF 0 bis CHF 98. Entscheidend ist aber nicht nur der Preis. Auch die Positionierung der Kette, die Art der Beratung und die anschliessenden Leistungen können sich unterscheiden. Wenn Sie neben den Kosten auch Beratung, Service und Preis-Leistungs-Verhältnis vergleichen möchten, empfehlen wir Ihnen unseren Schweizer Optiker-Ketten-Test.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Viele Käuferinnen und Käufer gehen davon aus, dass sich die Krankenkasse an den Kosten einer neuen Brille beteiligt. Tatsächlich ist dies in der Schweiz jedoch nur in bestimmten Fällen der Fall.

Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Altersjahr übernimmt die obligatorische Grundversicherung unter bestimmten Voraussetzungen einen Beitrag an Brillen oder Kontaktlinsen. Voraussetzung ist in der Regel eine augenärztliche Verordnung. Die genauen Bedingungen und die Höhe der Vergütung richten sich nach den geltenden Bestimmungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung.

Bei Erwachsenen beteiligt sich die Grundversicherung dagegen nur in wenigen medizinisch begründeten Ausnahmefällen, etwa bei bestimmten Erkrankungen oder nach medizinischen Eingriffen, die eine Sehkorrektur erforderlich machen. Für den gewöhnlichen Brillenkauf müssen Erwachsene die Kosten daher in den meisten Fällen selbst tragen.

Je nach abgeschlossener Zusatzversicherung können jedoch Beiträge an Brillen oder Kontaktlinsen vorgesehen sein. Die Leistungen unterscheiden sich je nach Versicherung und Modell erheblich. Es lohnt sich deshalb, die Versicherungsbedingungen zu prüfen oder direkt bei der Krankenkasse nachzufragen, bevor eine neue Brille gekauft wird. Wir haben dazu einen Überblick von Krankenkassenleistungen bei Optikern für Sie.

Allerdings sind die Kosten für eine Brille steuerlich abziehbar, wenn die selbst getragenen Gesamtkosten für Ihre Gesundheit den gesetzlichen Selbstbehalt übersteigen. Dieser liegt meist bei 5% des Nettoeinkommens.

Wenn die Kosten der Brille abziehbar sind, müssen mögliche Erstattungen von Versicherungen natürlich vorab abgezogen werden.

Tipps für einen preisbewussten Brillenkauf

Wer beim Brillenkauf Geld sparen möchte, sollte nicht nur auf den tiefsten Einstiegspreis achten. Viel wichtiger ist ein transparenter Vergleich des gesamten Angebots. Oft unterscheiden sich die Leistungen deutlich, obwohl die beworbenen Preise ähnlich wirken.

Mit den folgenden Tipps behalten Sie die Kosten besser im Blick:

  • Vergleichen Sie immer den Gesamtpreis und nicht nur den beworbenen Einstiegspreis.
  • Achten Sie darauf, welche Leistungen bereits im Preis enthalten sind und welche zusätzlich verrechnet werden.
  • Prüfen Sie, ob Glas-Upgrades wie Entspiegelung, dünnere Gläser oder Blaulichtfilter für Ihre Bedürfnisse tatsächlich sinnvoll sind.
  • Vergleichen Sie verschiedene Fassungen hinsichtlich Preis, Material, Verarbeitung und Tragekomfort.
  • Fragen Sie nach Garantie-, Reparatur- und Serviceleistungen, beispielsweise kostenlosen Anpassungen oder Nachkontrollen.
  • Holen Sie bei grösseren Preisunterschieden mehrere Offerten ein und vergleichen Sie diese auf derselben Leistungsbasis.
  • Klären Sie vor dem Kauf ab, ob Ihre Zusatzversicherung einen Beitrag an die Brille leistet.

Wer sich Zeit für den Vergleich nimmt und den Leistungsumfang genau prüft, kann oft mehrere hundert Franken sparen. Eine Brille sollte nicht nur günstig sein, sondern vor allem zu den eigenen Sehbedürfnissen passen und über viele Jahre einen hohen Tragekomfort bieten. Mehr Informationen zu den verschiedenen Anbietern finden Sie in unserem Test zu Schweizer Optiker-Ketten.