Ob ein Im-Ohr- oder Hinter-dem-Ohr-Hörgerät besser geeignet ist, lässt sich nicht allein anhand der Bauform entscheiden. Ausschlaggebend sind der individuelle Hörverlust, die persönlichen Hörsituationen, die Bedienbarkeit und die fachgerechte Anpassung. Auch Sehvermögen, Motorik, Smartphone-Nutzung und persönliche Vorlieben sollten in die Auswahl einfliessen.
Es gibt keine Bauform, die grundsätzlich besser ist als die andere. Ob ein Im-Ohr- oder ein Hinter-dem-Ohr-Hörgerät die bessere Wahl ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem vom Grad des Hörverlusts, der Form des Ohrs, den persönlichen Vorlieben sowie den Anforderungen im Alltag. Auch das Tragen einer Brille, sportliche Aktivitäten oder der Wunsch nach bestimmten Zusatzfunktionen können die Entscheidung beeinflussen. Deshalb sollte die Bauform immer individuell ausgewählt und gemeinsam mit dem Hörakustiker auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt werden.
Was unterscheidet Im-Ohr- und Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte?
Bei Im-Ohr-Hörgeräten befindet sich die Technik vollständig oder teilweise im Gehörgang beziehungsweise in der Ohrmuschel. Bei Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten sitzen die wichtigsten technischen Komponenten hinter der Ohrmuschel und sind über einen dünnen Schlauch oder einen externen Hörer mit dem Ohr verbunden.
Wie gross oder unauffällig ein Hörgerät wirkt, hängt jedoch nicht allein von der Bauform ab. Auch Design, Grösse und technische Ausstattung unterscheiden sich je nach Hersteller und Modell. Ebenso sagt die Bauform allein wenig über die Leistungsfähigkeit eines Hörgeräts aus. Funktionen wie eine automatische Anpassung an verschiedene Hörsituationen, eine wirksame Störgeräuschunterdrückung, Bluetooth-Verbindungen oder Smartphone-Apps hängen in erster Linie von der gewählten Technologiestufe und dem jeweiligen Hörgerätemodell ab – unabhängig davon, ob es sich um ein Im-Ohr- oder Hinter-dem-Ohr-Hörgerät handelt.
Im-Ohr-Hörgeräte: mögliche Vorteile und Grenzen
Die Bauform kann optisch zurückhaltend wirken
Viele Menschen wünschen sich ein möglichst unauffälliges Hörgerät. Im-Ohr-Hörgeräte können diesem Wunsch entgegenkommen, da sie vollständig oder teilweise im Gehörgang sitzen und von aussen oft kaum sichtbar sind. Gleichzeitig sind auch moderne Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte deutlich kleiner und dezenter geworden als frühere Generationen.
Wie unauffällig ein Hörgerät tatsächlich wirkt, hängt jedoch vom jeweiligen Modell, der Form des Ohrs und der individuellen Passform ab. Deshalb empfiehlt es sich, verschiedene Modelle direkt am Ohr anzuprobieren und nicht allein anhand von Produktbildern oder Herstellerangaben zu entscheiden.
Die Bedienung muss zum Alltag passen
Je kleiner ein Hörgerät ist, desto kleiner fallen in der Regel auch die Bedienelemente aus. Für Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik oder Sehvermögen kann dies die Handhabung erschweren.
Probieren Sie deshalb während der Testphase aus, ob Sie das Hörgerät selbstständig einsetzen und herausnehmen können. Auch das Wechseln von Filtern, die Reinigung sowie das Laden oder der Batteriewechsel sollten problemlos möglich sein. Ein Hörgerät sollte nicht nur gut hören lassen, sondern sich auch im Alltag einfach bedienen lassen.
Die technische Ausstattung ist wichtiger als die Bauform
Ein Im-Ohr-Hörgerät ist nicht automatisch einfacher oder technisch weniger leistungsfähig als ein Hinter-dem-Ohr-Modell. Umgekehrt verfügt auch nicht jedes Hinter-dem-Ohr-Hörgerät über denselben Funktionsumfang.
Entscheidend sind vielmehr das konkrete Modell und die gewählte Technologiestufe. Funktionen wie automatische Anpassungen an verschiedene Hörsituationen, eine wirksame Störgeräuschunterdrückung, Bluetooth, Smartphone-Apps oder Streaming für Telefon und Fernsehen sind heute bei vielen Hörgeräten verfügbar – unabhängig von der Bauform. Lassen Sie sich deshalb nicht nur die Unterschiede zwischen Im-Ohr- und Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten erklären, sondern auch den tatsächlichen Funktionsumfang der einzelnen Modelle.
Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte: mögliche Vorteile und Grenzen
Auch diese Bauform ist in unterschiedlichen Varianten erhältlich
Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte gibt es in zahlreichen Ausführungen. Sie unterscheiden sich nicht nur in Grösse und Design, sondern auch in ihrer technischen Ausstattung. Je nach Modell stehen Funktionen wie automatische Anpassungen an verschiedene Hörsituationen, Bluetooth, Akkutechnik, Smartphone-Apps oder unterschiedliches Zubehör zur Verfügung.
Vergleichen Sie deshalb nicht nur die Bauform, sondern auch den tatsächlichen Funktionsumfang der einzelnen Modelle. Lassen Sie sich genau erklären, welche Technik und welche Funktionen im jeweiligen Hörgerät enthalten sind und welche Leistungen im Angebot inbegriffen sind.
Das Zusammenspiel mit Brille und Alltag sollte getestet werden
Viele Menschen tragen ihre Hörgeräte täglich zusammen mit einer Brille oder nutzen sie beim Wandern, Velofahren oder anderen Freizeitaktivitäten. Deshalb ist es wichtig, das Hörgerät nicht nur im Fachgeschäft, sondern auch unter realen Alltagsbedingungen zu testen.
Nehmen Sie zur Anpassung Ihre gewohnte Brille mit und prüfen Sie während der Testphase, ob sich das Hörgerät angenehm tragen lässt und nicht stört. Auch bei sportlichen oder anderen aktiven Tätigkeiten zeigt sich oft erst im Alltag, welche Bauform für Sie langfristig am komfortabelsten ist.
Smartphone und Zubehör können den Alltag erleichtern
Viele moderne Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte lassen sich mit Smartphones, Fernsehern oder weiterem Zubehör verbinden. So können Telefongespräche, Musik oder der Fernsehton direkt auf die Hörgeräte übertragen werden. Welche Funktionen verfügbar sind, hängt jedoch vom jeweiligen Modell und der gewählten Technologiestufe ab.
Lassen Sie sich deshalb vor dem Kauf zeigen, wie die Verbindung mit Ihrem eigenen Smartphone funktioniert. Sinnvoll ist zudem, wenn der Hörakustiker die App gemeinsam mit Ihnen einrichtet und erklärt, wie sich wichtige Funktionen im Alltag nutzen lassen.
Die Bauform allein entscheidet nicht über das Sprachverstehen
Eine sorgfältige Hörgeräteanpassung beginnt mit einer umfassenden Untersuchung des Hörvermögens. Dazu gehören Hörtests für verschiedene Frequenzen sowie Messungen des Sprachverständnisses. Ebenso wichtig ist ein ausführliches Gespräch über Ihre persönlichen Hörsituationen und Anforderungen im Alltag, damit das Hörgerät gezielt darauf abgestimmt werden kann.
Die Einstellung der Hörgeräte sollte nicht ausschliesslich nach dem persönlichen Höreindruck erfolgen. Moderne Messverfahren, beispielsweise eine Real-Ear- oder In-situ-Messung, helfen dabei zu überprüfen, ob das Hörgerät die gewünschte Verstärkung im Ohr tatsächlich erreicht. Ergänzend dazu sind Nachkontrollen sinnvoll, um die Einstellungen bei Bedarf weiter zu optimieren und das Hörerlebnis langfristig zu verbessern.
Welche Alltagssituationen sollten Sie testen?
Ein Hörgerät sollte nicht nur im ruhigen Beratungsraum beurteilt werden. Es empfiehlt sich eine Bedarfsanalyse, die Beruf, Familie, Telefon, Fernsehen, Restaurant, Musik, Motorik, Sehvermögen und Smartphone-Nutzung einbezieht.
Während der Testphase sollten Sie daher gezielt jene Situationen prüfen, die für Sie regelmässig auftreten:
- Gespräche zu Hause und in Gruppen
- Telefonate und Videogespräche
- Fernsehen und Mediennutzung
- Restaurants oder andere Umgebungen mit Störgeräuschen
- Musik und Freizeitaktivitäten
- Bedienung mit Ihrer üblichen Brille
- Einsetzen, Herausnehmen, Laden und Reinigen
- Nutzung von Smartphone, App oder Zubehör
Mehrere grosse Anbieter nennen Testzeiträume von 30 Tagen. Wichtiger als eine starre Anzahl von Tagen ist jedoch, dass während dieser Zeit Anpassungstermine möglich sind und verschiedene Alltagssituationen realistisch ausprobiert werden können.
Checkliste: Welche Bauform passt zu Ihnen?
Vor dem Kauf sollten Sie beide Bauformen nach denselben Kriterien beurteilen:
- Lässt sich das Gerät selbstständig einsetzen und herausnehmen?
- Sind Bedienelemente und Zubehör gut erkennbar und handhabbar?
- Funktioniert die Bauform zusammen mit Ihrer üblichen Brille?
- Verstehen Sie Sprache auch in Gruppen und bei Störgeräuschen besser?
- Sind Smartphone, App und gewünschtes Zubehör kompatibel?
- Wurde die Einstellung objektiv überprüft?
- Können während der Testphase Nachanpassungen vorgenommen werden?
- Sind Modell, Plattform, Technologiestufe und Service schriftlich ausgewiesen?
Weder Im-Ohr- noch Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte sind grundsätzlich die bessere Wahl. Die passende Lösung hängt vom Hörverlust, den persönlichen Hörsituationen, der Bedienbarkeit und der Qualität der Anpassung ab.
Testen Sie deshalb beide Bauformen unter vergleichbaren Bedingungen und in Ihrem tatsächlichen Alltag. Entscheiden Sie erst, wenn Sprachverstehen, Tragekomfort, Bedienung und Service stimmen – nicht allein aufgrund von Grösse, Optik oder Produktbezeichnung.



