Unscharfes Sehen entwickelt sich oft schleichend. Anfangs werden Strassenschilder etwas verschwommen, kleine Schrift lässt sich nur noch mit ausgestreckten Armen lesen oder die Augen fühlen sich nach einem langen Arbeitstag müde an. Solche Beschwerden sind häufig und bedeuten nicht automatisch eine Augenerkrankung. Sie können jedoch darauf hindeuten, dass sich die Sehstärke verändert hat und eine Brille oder Kontaktlinsen sinnvoll wären.
Im Folgenden erfahren Sie, woran Sie die häufigsten Sehfehler erkennen und welche Möglichkeiten es gibt, sie zu korrigieren.
Kurzsichtigkeit (Myopie)
Bei einer Kurzsichtigkeit sind nahe Gegenstände gut erkennbar, während entfernte Objekte unscharf erscheinen. Typische Anzeichen sind Schwierigkeiten beim Lesen von Strassenschildern, unscharfe Gesichter in der Ferne oder Probleme beim Autofahren, insbesondere in der Dämmerung.
Kurzsichtigkeit lässt sich in den meisten Fällen problemlos mit einer Brille oder Kontaktlinsen korrigieren. Welche Lösung besser geeignet ist, hängt von Ihren persönlichen Bedürfnissen und Ihrem Alltag ab.
Weitsichtigkeit (Hyperopie)
Weitsichtige Menschen haben häufig Mühe beim Lesen oder bei anderen Tätigkeiten im Nahbereich. Besonders nach längerer Bildschirmarbeit oder beim Lesen können Kopfschmerzen, müde Augen oder Konzentrationsprobleme auftreten.
Gerade jüngere Menschen bemerken eine leichte Weitsichtigkeit oft erst spät, da das Auge den Sehfehler zunächst teilweise ausgleichen kann. Mit zunehmendem Alter nimmt diese Fähigkeit jedoch ab.
Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)
Bei einer Hornhautverkrümmung wird das Licht nicht gleichmässig auf der Netzhaut gebündelt. Dadurch können sowohl nahe als auch entfernte Objekte unscharf oder leicht verzerrt erscheinen. Manche Betroffene nehmen Konturen verschwommen wahr oder bemerken Doppelkonturen bei Buchstaben und Lichtquellen.
Eine Hornhautverkrümmung tritt häufig gemeinsam mit Kurz- oder Weitsichtigkeit auf und kann mit speziell angepassten Brillengläsern oder Kontaktlinsen korrigiert werden.
Alterssichtigkeit (Presbyopie)
Mit zunehmendem Alter verliert die Augenlinse an Elastizität. Dadurch fällt es schwerer, auf kurze Distanzen scharf zu sehen. Viele Menschen bemerken dies ab dem mittleren Erwachsenenalter, wenn das Lesen kleiner Schrift zunehmend anstrengender wird oder das Smartphone weiter weg gehalten werden muss.
Je nach Sehbedürfnis kommen eine Lesebrille, eine Gleitsichtbrille oder multifokale Kontaktlinsen infrage.
Typische Warnsignale
Nicht jede Sehverschlechterung zeigt sich sofort durch stark unscharfes Sehen. Häufig treten zunächst eher unspezifische Beschwerden auf.
Dazu gehören unter anderem:
- verschwommenes Sehen in der Nähe oder Ferne
- häufiges Zusammenkneifen der Augen
- Kopfschmerzen nach dem Lesen oder nach Bildschirmarbeit
- müde oder brennende Augen
- Schwierigkeiten beim Lesen kleiner Schrift
- unsicheres Sehen beim Autofahren
- das Gefühl, dass die bisherige Brille nicht mehr optimal passt
Wenn solche Beschwerden regelmässig auftreten, lohnt sich eine Überprüfung der Sehstärke.
Wann sollte ein Sehtest durchgeführt werden?
Verändert sich das Sehen langsam oder treten wiederholt Beschwerden auf, ist ein Sehtest der richtige erste Schritt. Dabei wird festgestellt, ob sich die Sehstärke verändert hat und ob eine Brille oder Kontaktlinsen erforderlich sind.
Ein Sehtest dient jedoch ausschliesslich der Bestimmung der Sehstärke. Besteht der Verdacht auf eine Augenerkrankung oder treten plötzliche Sehverschlechterungen, starke Schmerzen, Lichtblitze oder Schatten im Gesichtsfeld auf, sollte umgehend eine Augenärztin oder ein Augenarzt aufgesucht werden.
Mehr Informationen zum Ablauf und den Kosten finden Sie in unserem Ratgeber.
Brille oder Kontaktlinsen?
Die meisten Sehfehler lassen sich sowohl mit einer Brille als auch mit Kontaktlinsen korrigieren. Eine Brille ist pflegeleicht, unkompliziert und für viele Menschen die erste Wahl. Kontaktlinsen bieten dagegen ein uneingeschränktes Sichtfeld und eignen sich besonders beim Sport oder für Personen, die möglichst auf eine Brille verzichten möchten.
Welche Lösung besser geeignet ist, hängt von Ihrer Sehstärke, Ihrem Alltag und Ihren persönlichen Vorlieben ab.
Mehr dazu erfahren Sie in unseren Ratgebern „Brille kaufen in der Schweiz“ und „Kontaktlinsen in der Schweiz“.
Eine regelmässige Kontrolle der Sehstärke hilft dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die passende Sehhilfe zu finden. Auf unserer Website finden Sie weitere Ratgeber zu Themen wie Kinderaugen schützen, Bildschirmarbeitsplatzbrille, Sonnenbrille mit Sehstärke, Krankenkassen-Leistungen für Brillen und Kontaktlinsen sowie unseren Schweizer Optiker-Ketten-Test. Dort erfahren Sie ausserdem, worauf Sie bei der Wahl eines Optikers und beim Kauf einer neuen Brille achten sollten.



