Eine neue Brille oder Kontaktlinsen können schnell mehrere hundert Franken kosten. Viele Menschen gehen deshalb davon aus, dass sich die Krankenkasse an den Kosten beteiligt. Tatsächlich ist die Kostenübernahme in der Schweiz jedoch klar geregelt und hängt davon ab, ob es sich um Leistungen der obligatorischen Grundversicherung oder einer freiwilligen Zusatzversicherung handelt.
Wer eine neue Sehhilfe benötigt, sollte deshalb bereits vor dem Kauf klären, welche Leistungen tatsächlich übernommen werden und welche Kosten selbst zu tragen sind.
Grundversicherung: Erwachsene bezahlen ihre Brille meist selbst
Für Erwachsene gilt grundsätzlich: Die obligatorische Krankenpflegeversicherung in der Schweiz übernimmt die Kosten für eine normale Brille oder Kontaktlinsen in der Regel nicht. Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung oder Alterssichtigkeit gehören normalerweise zu den privaten Gesundheitskosten.
Ausnahmen bestehen nur in bestimmten medizinisch begründeten Situationen, beispielsweise wenn eine Sehbeeinträchtigung im Zusammenhang mit einer Erkrankung, einer Operation oder einer medizinischen Behandlung steht. Ob eine solche Ausnahme vorliegt, entscheidet die behandelnde Augenärztin oder der behandelnde Augenarzt.
Wenn Sie mehr über die häufigsten Sehfehler erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen unseren Ratgeber „Sehprobleme erkennen“.
Kinder und Jugendliche erhalten unter bestimmten Voraussetzungen einen Beitrag
Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Altersjahr beteiligt sich die Grundversicherung unter bestimmten Voraussetzungen an den Kosten für Brillen oder Kontaktlinsen. Voraussetzung ist in der Regel eine augenärztliche Verordnung. Diese dient als Grundlage für die Kostenübernahme und bestätigt, dass eine Sehhilfe medizinisch notwendig ist.
Der Beitrag der Grundversicherung stellt jedoch meist keine vollständige Kostenübernahme dar. Je nach gewählter Fassung, Glasqualität oder zusätzlichen Ausstattungen können Eltern weiterhin einen Teil der Kosten selbst tragen. Es lohnt sich deshalb, sich bereits vor dem Kauf über die Leistungen der eigenen Krankenkasse zu informieren und zu prüfen, ob zusätzlich eine Zusatzversicherung weitere Kosten übernimmt.
Da sich das Sehvermögen von Kindern während des Wachstums verändern kann, sind regelmässige augenärztliche Kontrollen wichtig. So kann bei Bedarf die Sehhilfe rechtzeitig angepasst werden und die Sehentwicklung wird optimal unterstützt. Ausführliche Informationen finden Sie auch in unserem Ratgeber „Kinderaugen schützen“, der erklärt, warum eine frühzeitige Untersuchung der Augen besonders wichtig ist.
Zusatzversicherung: Leistungen unterscheiden sich je nach Vertrag
Anders als die Grundversicherung ist eine Zusatzversicherung freiwillig. Welche Leistungen übernommen werden, hängt vollständig vom gewählten Versicherungsmodell und den vereinbarten Vertragsbedingungen ab. Einige Zusatzversicherungen beteiligen sich regelmässig an den Kosten für Brillen oder Kontaktlinsen, andere sehen hierfür gar keine Leistungen vor oder übernehmen nur einen Teil der Kosten.
Auch die Höhe der Beiträge unterscheidet sich deutlich. Manche Versicherungen bezahlen einen festen Betrag pro Jahr, andere nur alle zwei oder drei Jahre. Teilweise gelten zudem Wartefristen, Höchstbeträge oder besondere Voraussetzungen, beispielsweise ein augenärztliches Rezept oder der Bezug der Sehhilfe bei bestimmten Anbietern.
Lohnt sich eine Zusatzversicherung?
Ob sich eine Zusatzversicherung allein wegen einer Brille lohnt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist, wie häufig Sie neue Brillen oder Kontaktlinsen benötigen und welche weiteren Leistungen Sie über die Zusatzversicherung nutzen.
Wer nur alle paar Jahre eine einfache Einstärkenbrille kauft, fährt häufig günstiger, wenn die Kosten direkt selbst bezahlt werden. Benötigen Sie dagegen regelmässig hochwertige Gleitsichtgläser, Kontaktlinsen oder weitere ambulante Leistungen, kann eine passende Zusatzversicherung finanziell sinnvoll sein.
Franchise und Selbstbehalt berücksichtigen
Selbst wenn eine Leistung von der Grundversicherung übernommen wird, bedeutet dies nicht automatisch, dass die gesamten Kosten vergütet werden. Je nach Versicherungsmodell können Franchise und Selbstbehalt anfallen, wodurch sich der tatsächlich ausbezahlte Betrag reduziert. Wie hoch Ihr Eigenanteil ausfällt, hängt unter anderem davon ab, ob die gewählte Franchise im laufenden Jahr bereits erreicht wurde.
Bei Zusatzversicherungen gelten wiederum die jeweiligen Vertragsbedingungen. Hier unterscheiden sich sowohl die Höhe der Leistungen als auch die Voraussetzungen für eine Rückerstattung. Manche Versicherungen verlangen beispielsweise ein augenärztliches Rezept oder bestimmte Belege, bevor eine Kostenbeteiligung ausbezahlt wird.
Informieren Sie sich deshalb bereits vor dem Kauf einer Brille oder von Kontaktlinsen, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, welche Unterlagen einzureichen sind und ob Fristen für die Rückerstattung gelten. So vermeiden Sie unnötige Rückfragen und wissen bereits vor dem Kauf, mit welcher Kostenbeteiligung Sie tatsächlich rechnen können.
Brille oder Kontaktlinsen: Die Gesamtkosten vergleichen
Beim Kauf einer neuen Sehhilfe lohnt es sich, nicht nur auf eine mögliche Kostenbeteiligung der Krankenkasse zu achten. Ebenso wichtig ist ein Blick auf die tatsächlichen Gesamtkosten. Diese unterscheiden sich je nach Glasqualität, Fassung, Art der Kontaktlinsen und den gewünschten Zusatzleistungen teilweise erheblich.
Eine günstige Einstiegsbrille kann durch hochwertigere Gläser, Entspiegelung, dünnere Materialien oder weitere Veredelungen deutlich teurer werden. Bei Kontaktlinsen kommen zusätzlich Kosten für die Erstanpassung, Nachkontrollen, Pflegemittel sowie den regelmässigen Ersatz der Linsen hinzu. Diese laufenden Ausgaben werden beim Preisvergleich häufig unterschätzt.
Vergleichen Sie deshalb nicht nur den Anschaffungspreis, sondern das gesamte Angebot über einen längeren Zeitraum. Lassen Sie sich erklären, welche Leistungen im Preis enthalten sind und welche Kosten später zusätzlich entstehen können. So erhalten Sie ein realistisches Bild der tatsächlichen Ausgaben.
Mehr Informationen dazu finden Sie in unseren Ratgebern „Brille kaufen in der Schweiz“ sowie „Kontaktlinsen in der Schweiz“, in denen wir die wichtigsten Kostenfaktoren ausführlich erklären.
Vor dem Kauf lohnt sich ein Vergleich
Unabhängig davon, ob Sie die Kosten selbst tragen oder eine Rückerstattung erhalten, empfiehlt es sich, verschiedene Angebote zu vergleichen. Achten Sie nicht nur auf den Preis der Fassung, sondern auch auf die Glasqualität, Garantie- und Serviceleistungen sowie die Transparenz der Offerte.
Wenn Sie einen passenden Anbieter suchen, hilft Ihnen ausserdem unser Schweizer Optiker-Ketten-Test. Dort vergleichen wir die wichtigsten Optiker hinsichtlich Beratung, Preis-Leistungs-Verhältnis, Service und Transparenz.



